- anlegen
Fed-Sitzung vom 29. Juli und anschliessende Pressekonferenz
Die Fed belässt den Leitzins mit 9:3 Stimmen bei 3.50–3.75%, wobei die drei abweichenden Stimmen für eine Erhöhung votierten. Warsh zeichnet ein robustes Konjunkturbild: solides Wachstum, ein Beschäftigungsaufbau im Gleichschritt mit dem Arbeitskräfteangebot und eine leicht auf 4.2% sinkende Arbeitslosigkeit.
Die Fed belässt den Leitzins mit 9:3 Stimmen bei 3.50–3.75%, wobei die drei abweichenden Stimmen für eine Erhöhung votierten. Warsh zeichnet ein robustes Konjunkturbild: solides Wachstum, ein Beschäftigungsaufbau im Gleichschritt mit dem Arbeitskräfteangebot und eine leicht auf 4.2% sinkende Arbeitslosigkeit.
Warsh räumt ein Missverständnis aus, das sich nach fünf Jahren hoher Teuerung festgesetzt hat: dass die Fed implizit ein Ziel über 2% verfolge. Er stellt klar, es gebe kein weiches und kein implizites Ziel, sondern nur eines, und dieses liegt bei 2%. Fünf Jahre Inflation über Ziel liessen sich nicht in neun Wochen kurieren, auch nicht durch einen einzelnen Monat mit moderat sinkenden Preisen.
Das ist die zentrale Passage der Pressekonferenz. Sie bringt keine neue Politik, sondern verankert Erwartungen, und sie passt zum «hawkishen» Grundton seiner zweiten Sitzung als Vorsitzender.
Zwei weitere Punkte der Pressekonferenz verdienen Beachtung.
Erstens die Renditen. Nominale wie reale Renditen sind über die gesamte Kurve deutlich gestiegen. Einzelne Bewegungen zwischen den Sitzungen liegen laut Warsh im obersten Dezil der letzten zwei Jahrzehnte. Entscheidend ist seine Deutung: Der Markt reagiere auf reale Daten statt auf die Notenbank, und der Rückzug aus der Forward Guidance habe dazu beigetragen. Die Marktteilnehmer lernten, «den Ball zu spielen, nicht den Schiedsrichter». Warsh wertet das als Fortschritt und signalisiert, dass die Fed diesen Kurs fortsetzt: Die Notenbank müsse nicht überall im Zentrum stehen. Damit bestätigt er den Bruch mit der bisherigen Kommunikationsdoktrin, weg von rollierenden Prognosen, hin zu ungefilterter Marktbeobachtung.
Zweitens die Investitionen. Warsh hebt die Stärke der Unternehmensinvestitionen hervor, getrieben vom KI-nahen Hightech-Bereich aus Ausrüstung und Software. Dieser wächst auf Vierquartalsbasis um knapp 20% und überstrahlt alle übrigen Kategorien. Offen bleibt für ihn, ob der Capex-Boom über steigende Preise für Speicherchips eine breitere Inflationsdynamik auslöst.
Nach Entscheid und Pressekonferenz stiegen die Renditen deutlich. Zehnjährige Treasuries markieren mit 4.7% ein Jahreshöchst, dreissigjährige notieren über 5.2% und damit auf einem Niveau, das zuletzt 2004 erreicht wurde.
Rendite 30-jähriger U.S.-Staatsanleihen
Quelle: Bloomberg Finance L.P.
Auch das kurze Ende bestätigt unsere Einschätzung steigender (Leit-)Zinsen. Die zweijährige Rendite notiert mit 4.3% rund 55 Basispunkte über der Obergrenze des Zielbands und hat den Abstand allein im letzten Monat um 24 Basispunkte ausgeweitet. Da diese Laufzeit den erwarteten Durchschnitt der Leitzinsen über zwei Jahre abbildet, preist der Markt eher weitere Straffung als Senkungen ein. Aufschlussreich ist die Konstellation selbst: Nahe einem Zinshochpunkt liegt die zweijährige Rendite üblicherweise unter dem Leitzins, weil die Märkte kommende Senkungen vorwegnehmen. Seit Ende April kehrt sich dieses Muster um. Ein Teil des Anstiegs entfällt allerdings auf die von Warsh betonte Laufzeitprämie, nicht auf reine Zinserwartungen. Das Signal deutet damit auf eine Neigung zu höheren Sätzen, nicht auf einen datierten Zinsschritt, im Einklang mit den drei Gegenstimmen im FOMC hin.
Rendite 2-jähriger U.S.-Staatsanleihen vs. Fed Fund Rates
Quelle: Bloomberg Finance L.P.
Die Marktteilnehmer spielen, wie von Warsh gefordert, den Ball: Sie quittieren den Nullentscheid und die reduzierte Kommunikation kritisch.